Feed auf
Postings
Kommentare

Liebe Leser & Hörer!

Amerikaner sind einfach nur komisch. Sie sind übergewichtig, reden zu viel, haben einen latenten Hang zum Kriegführen und Ureinwohner unterdrücken, essen immer Kaugummi und sind in Geographie eine Null. So zumindest dachte ich in den ersten 22 Jahren meines europäischen Lebens.

Ich bin mir sicher, dass auch viele von Euch Fragen zum amerikanischen Leben, zur Politik oder einfach zur amerikanischen Meinung über bestimmte Dinge haben. Gut, dass ich gerade in den USA bin und solche Fragen beantworten kann.

Ich würde Euch bitten, einmal scharf nachzudenken und alle Fragen, Vorurteile und Meinungen, die mit den USA zu tun haben, als Kommentar unter diesen Eintrag zu schreiben! Ich freue mich darauf, Eure Fragen in diesem Blog zu beantworten. So haben nämlich alle was davon.

Wie können erwachsene Menschen auf die Idee kommen, sich Helme auf den Kopf zu setzen, sich in Körperpanzer zu zwängen um sich dann stundenlang gegenseitig über den Haufen zu rennen?

Jahrelang habe ich Football ignoriert und herablassend übergangen. Doch was ist ein Aufenthalt in Amerika, ohne jemals ein Football-Spiel gesehen zu haben? An diesem Samstagmittag werden American Football und ich uns endlich versöhnen.

Podcast: The American Dream. Football: Ein ziemlich amerikanischer Samstag von Jakob Schulz

Das war sie, die Debatte zwischen den beiden Vizepräsidentschaftskandidaten Joe Biden und Sarah Palin. Höflich, zuvorkommend und lächelnd debattierten sich der Senator und die Governeurin durch die „prime time“ im amerikanischen Fernsehen. Und nun? „Nichts“, erklärt mir ein Politikprofessor am nächsten Morgen in der Uni. „Die Vizepräsidentschaftskandidaten haben nicht so viel Einfluss auf den Ausgang der Präsidentschaftswahl, wie viele Medien es immer darstellen.“

Natürlich berichteten die US-Medien ausführlich über die Debatte zwischen Biden und Palin. Doch das hatte gute Gründe. Es ist über einen Monat her, dass Senator John McCain Sarah Palin als seinen „running mate“ nominierte. In dieser Zeit gelang es der republikanischen Kampagne hervorragend, Sarah Palin vor den bösen, „liberalen Medien“ abzuschirmen.

Ganze drei Interviews gab Palin im letzen Monat. Das ist weniger, als Irans Präsident Ahmadinedschad im Rahmen seines Besuchs bei den Vereinten Nationen gab. Dass Palin in den wenigen Interviews schreckliche Wissenslücken offenbarte und gar von einem Angriff auf Russland sprach, verringert das Medieninteresse an der Governeurin aus Alaska natürlich nicht.

So wusste Palin beispielsweise nicht, was die „Bush-Doktrin“ ist. Die „Bush-Doktrin“ sind George W. Bushs außenpolitische Richtlinien. In diesen behalten sich die USA unter anderem vor, präventiv gegen andere Staaten vorzugehen, sollten diese einen Angriff auf die USA planen oder sie in anderer Weise bedrohen. George W. Bush rechtfertigte beispielsweise den Angriff auf Irak im Jahr 2003 mit der „Bush-Doktrin“.

In einem anderen Interview sagte Palin, gefragt nach ihrer außenpolitischen Erfahrung, dass sie Russland von ihrer alaskischen Veranda aus sehen kann. Uh-Uh.

Doch überraschenderweise hat Palin nun bei der Fernsehdebatte mit Joe Biden keine Schwächen gezeigt. Stattdessen trieb sie den Senatsveteranen Biden in die Defensive und gab sich volksnah. Dass sie viele Fragen nicht beantwortete und mit einem saloppen „Ja, aber viel lieber würde ich über…. sprechen“ auf ihr Lieblingsthema „Erdöl in Alaska“ zu sprechen kam, fiel da fast nicht auf.

„Doch viel wichtiger“, meint ein Dozent in der Uni, „sind die kommenden beiden Fernsehduelle zwischen Barack Obama und John McCain.“ Morgen in einem Monat wählt Amerika. Traditionell beginnt der „richtige Wahlkampf“ in den USA erst im Oktober. Da John McCain in Umfragen mittlerweile Stimmanteile verliert, vermuten viele nun deutlich schärfere Angriffe von McCain gegen Barack Obama.

Und so ist es kaum wahrscheinlich, dass sich McCain und Obama in den nächsten beiden Debatten so höflich wie Biden und Palin über den Weg laufen. Doch wenigstens werden die amerikanischen Fernsehzuschauer dann nicht mit Palin-Phrasen wie „…also bei uns oben in Alaska…“, „ich bin eine Hockey-Mama“ und „Drill, Baby, Drill“ gepeinigt.

Mehr Meinung zu Sarah Palin in der New York Times

Sarah, eine kleine, kräftige Frau um die 30, hat ihre Bierdose auf dem wackeligen Holztisch abgestellt und reckt die Arme hilflos in die mufflige Kneipenluft. Für einen Moment wird sie zu dem kleinen Mädchen, das entsetzt mit ansehen muss, wie die einzige Kugel Eis aus ihrer Waffel fällt. Wie Millionen anderer Amerikaner hatte sie all ihre Hoffnung auf einen Politikwechsel im Weißen Haus in Washington D.C. gesetzt.

2. November 2004, die Vereinigten Staaten von Amerika wählen ihren Präsidenten. „Am nächsten Morgen laufen die Studenten langsamer als sonst über den Campus“, erinnert sich Sarah. Sie blickt in ungläubige Gesichter, viele der jungen Menschen sind fassungslos. Präsident George W. Bush gewinnt die Wahl mit 50,3 Prozent der Stimmen und bleibt für weitere vier Jahre Präsident der USA. Senator John F. Kerry, Bushs Herausforderer und Hoffnungsgestalt der liberaleren Amerikaner, verliert.

Auch Sam, Mitte 30, schmächtig, rotes Karohemd, fühlte sich damals wie erschlagen. Er fragt sich bis heute, wie die Amerikaner George W. Bush nach einer ersten, umstrittenen Amtsperiode erneut vertrauen konnten. „Es war so, als ob du deinen Autoschlüssel im Wagen einschließt. Dann zahlst du ein Vermögen für den Schlüsseldienst – und dann schließt du den Schlüssel sofort WIEDER ein!“

Sam arbeitet als Lehrer. Er ist kein typischer Gast im Recovery Room, einer unauffälligen Unterschichtkneipe in einem heruntergekommenen Flachbau, außerhalb der putzigen Charlestoner Innenstadt. Hier strahlen die Holzhäuser nicht mehr weiß, dafür pöbeln schwarze Obdachlose Passanten um „change“, Kleingeld, an. „Hast du nicht? Dann Zigaretten.“ Sieben Meter über der Straße donnern im Sekundentakt Autos über die Highwaybrücke.

Im Recovery Room treffen sich abends die sogenannten „blue-collar-workers“. Doch tragen die müden Arbeiter hier keine blauen Hemdkrägen, sondern speckige T-Shirts oder noch ihre Arbeitskittel. Viele sind in der Gastronomie angestellt, auf ihre Arbeitsblusen sind in schnörkeliger Schreibschrift Namen wie „Betty“ oder „Anne“ eingestickt. Man trinkt „Blue Ribbon“ aus der Dose. Für ein paar Dollar wollen hier viele ihren Arbeitstag vergessen.

Vor der Tür sitzt Chris auf einer Holzbank. Aus seinen weißen Hemdsärmeln ragen große Tattoos. Der bärtige 25-Jährige nippt an seiner Flasche „Miller“ und redet mit seinem Kumpel Ryan. Vor kurzem hat Chris seine Arbeit als Grafikdesigner für eine Immobilienfirma verloren. „Sorry Chris, ich kann dich mir nicht mehr leisten“, sagte ihm sein Chef vor einigen Wochen. Chris hat einen neuen Job, doch das Thema Immobilienkrise bringt ihn in Rage.

Wie Sarah und Sam sehnt auch Chris einen Wechsel in der amerikanischen Politik herbei. „Ich schäme mich vor dem Rest der Welt für die aktuelle amerikanische Regierung und Politik“, sagt er. Als er im Fernsehen sah, wie der demokratische Senator Barack Obama seine Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten annahm, war  er zum ersten Mal stolz darauf, ein Amerikaner zu sein.

Bei vielen jungen Amerikanern und Arbeitern steht Senator Barack Obama hoch im Kurs. Am College of Charleston ist das anders. Über die Hälfte der Charlestoner Studenten kommen aus South Carolina. Der ehemalige Südstaat ist traditionell konservativ. 2004 wählten hier rund 940 000 Menschen den Republikaner George W. Bush; nur rund 660 000 wählten den Demokraten John F. Kerry.

Diese Verhältnisse spiegeln sich auch in den Klassenräumen wieder. Hört man sich unter den jungen Studenten um, unterstützen die meisten die Republikaner und John McCain. In einem Politikkurs führt ein Dozent eine Umfrage durch: „Wählen eure Eltern republikanisch oder demokratisch?“ „Wählt ihr selbst republikanisch oder demokratisch?“ Sowohl Eltern als auch ihre Kinder unterstützen mehrheitlich die Republikaner.

Es sind Umfrageergebnisse wie diese, die Chris wütend machen. „Fast ein Jahrzehnt voller Fehler in der amerikanischen Politik, jetzt ist die Zeit für einen Wechsel“, meint Chris. Auf die Frage, wie er „reich“ definiere, antwortete der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain kürzlich, man sei reich, wenn man über fünf Millionen Dollar jährlich verdient. Sein demokratischer Rivale Barack Obama nannte ein Jahreseinkommen von 250 000 Dollar. Chris hat im letzten Jahr nach Abzug der Steuern rund 30 000 Dollar verdient.

„Change“, Wechsel, das ist das Leitmotiv von Barack Obamas Präsidentschaftskampagne. Und wenn Sarah, Sam, Chris und viele andere Arbeiter in der Wahlnacht am 2. November im Recovery Room hinter ihren „Blue Ribbon“-Bierdosen sitzen, dann wird jemand das Fernsehprogramm vom Sportkanal auf CNN oder FoxNews wechseln. Sam und all die anderen werden den Atem anhalten. Und hoffen, dass Amerika seine Autoschlüssel nicht wieder im Wagen einschließt. Denn der nächste Schlüsseldienst kommt erst in vier Jahren.

“Sé vegano”

Mit Plakaten wie diesem sollen mexikanische Einwanderer vor Milch und Fleisch gewarnt werden.Nicht nur Tiere, sondern auch illegale Einwanderer will die PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) neuerdings retten. Unter der Schlagzeile “So etwas kann nur in den USA passieren” berichtete die Zeitschrift “The Week” kürzlich, dass die Tierrechtsorganisation PETA illegale Einwanderer schon an der US-Grenze auf die Gefahren des American Way of Life aufmerksam machen will.

“If the border patrol doesn’t get you, the chicken and burgers will. Go vegan” (auf Spanisch: “Si no te agarra la migra, te atraparan el pollo y las hamburguesas. Sé vegano”). Mit Plakaten wie diesem (siehe rechts) sollen mexikanische Einwanderer vor den amerikanischen Essgewohnheiten, gerade in Bezug auf Milch und Fleisch, gewarnt werden.

Die PETA argumentiert, dass die mexikanischen Einwanderer eine sehr viel gesündere, mexikanische Esskultur zurückließen und stattdessen die amerikanischen Essgewohnheiten übernähmen, die “Herzinfarkte, Krebs und Impotenz” auslöse.

Das sehen einige Besucher der Seite Peta.org anders. Einige Benutzer halten die mexikanischen Essgewohnheiten ebenfalls für “horrible”. Nicht furchtbarer als die amerikanische Esskultur, aber ganz sicher auch nicht gesünder.

Doch nicht jeder will sich in diese leidige Vergleicherei einmischen. Benutzerin Maya stört am Grenzzaun zwischen Mexiko und den USA vor allem, dass dieser unschuldige Tiere tötet.

Die Sonne scheint warm auf die liebevoll hergerichtete Daunenbettdecke. Sanft kitzelt sie den süß schlummernden jungen Mann aus seinen Träumen. Gleich wird er voller Tatendrang aufspringen und die großen Fenster weit aufreißen, um die klare Sommerluft hereinzulassen. In der hellen Wohnung duftet es nach frischem Sonntagskaffee und Croissants vom Lieblingsbäcker um die Ecke.

Nein.

Durch die weiße Wolkendecke strahlt die Sonne unbarmherzig durch den kargen, unterkühlten Raum und wischt an der hellbraunen Betonwand entlang. Über Müll sucht sie sich ihren Weg an alten Sportklamotten vorbei auf die Gummimatratze. Auf dem Bett versteckt sich ein aufgequollenes Gesicht hinter einem Schlafsack. Vor fünf Stunden erst haben die Hände, die jetzt den Schlafsack umklammern, kühles Wasser in das zerstörte Gesicht geschüttet.

Keine Chance. Sonntag, 8 Uhr 30, es riecht nach altem Schuh. Jemand ballert ausdauernd gegen die Tür. Alle Jahre wieder: Move-In-Day. Erfahrene College-Mitarbeiter bezeichnen diesen Tag als „Organised Chaos“. Tausende Studenten sammeln sich an diesem Tag mit der ganzen Sippe im Familienpanzer. Dann marschieren sie in ihre jeweilige Universitätsstadt ein und besetzen in ausdauernden Angriffen die Studentenwohnheim, Wohnung um Wohnung, Zimmer um Zimmer.

Lagebericht: Kurz nach acht Uhr morgens haben sie die Ecke Warren Street/King Street besetzt und kurz darauf das Treppenhaus von 01 Warren St eingenommen. Um halb neun sind die Zimmer A, B und C von Wohnung Nummer 312 fest in feindlicher Hand. In Zimmer D halte ich die Stellung.

Es klopft.

Neun Uhr. Nach kurzen Friedensverhandlungen sind Eric, Kyle und Luke jetzt nicht nur in Facebook, sondern auch “in echt” meine Freunde. Und ihre Eltern auch. Und die Geschwister. Und Oma auch. Es ist wohl Tradition, dass die Studenten von der ganzen Familie in ihre Wohnheime begleitet werden. So verstopfen nicht nur die überdimensionierten Jeeps die Charlestoner Einbahnstraßen, sondern Mama, Papa, Oma und Onkel auch noch das Treppenhaus.

Doch eigentlich ist es ganz gut, dass soviele Träger bereitstehen. Denn es gibt viel zu tun. Um ordentlich studieren zu können, braucht der amerikanische Student einige Utensilien im Haus. Da wäre der mannshohe Luftreiniger. Dann der Luftentfeuchter. Oder die niedliche Standheizung, falls die Klimaanlage mal wieder zu sehr kühlt. Auch der persönliche Fernseher ist ein Muss. Nein nein, das ist kein Fernseher. „That’s a Plasma.“

So ist das.

« Neuere Postings - Ältere Postings »